Klinische Ethik

 
Krankenhaus

Seit etwa zwei Jahrzehnten entwickelt sich Klinische Ethik als ein wichtiges Beratungsinstrument, wenn es um medizinisch schwierige Entscheidungen geht für schwer erkrankte Menschen.
Nicht immer ist ein Patientenwille bekannt, etwa durch das Besprechen und Vorliegen einer Patientenverfügung, und es obliegt Ärzt*innen und Angehörigen die bestmögliche Entscheidung für den Erkrankten zu treffen:

Was hätte er oder sie sich selbst gewünscht in dieser nahezu aussichtslosen Situation?
Helfen dem Kranken  z.B. eine Reanimation oder Intubations-Beatmung - oder erzeugen und verlängern sie eher Leiden?
Wie wird, im Falle einer dauerhaften Intubation, seine Lebensqualität aussehen?

Als Krankenhausseelsorger*innen engagieren wir uns seit vielen Jahren in den klinikinternen Ethikkomitees und versuchen im interdisziplinären Team die Verantwortlichen in ihren Entscheidungen zu unterstützen:
 

  • durch Eruierung des vermeintlichen Patientenwillens

  • durch Moderation von Ethikkonsilen

  • durch Angehörigengespräche

  • durch Fortbildungen für Mitarbeiter


In den Kliniken entwickeln wir Handlungsempfehlungen mit und unterstützen, auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes, eine würdige und humane Behandlung von Menschen, welche nicht mehr für sich selbst sprechen können.
Auch aktuelle Themen wie z.B. Triage - Herausforderungen durch die Corona - Pandemie oder selbstbestimmtes Sterben begleiten wir aus christlich-ethischer Perspektive.

 

 

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Aktuelle Debatte: Selbstbestimmung und Lebensende


Das Thema "assistierter Suizid" wird zur Zeit auch in den Kirchen
sowie in der Klinik- und Altenheimseelsorge intensiv diskutiert.
Ein Positionspapier der ev. Diakonie in Deutschland gibt hilfreiche
Impulse, um über würdiges Sterben, Selbstbestimmung, palliative

Begleitung und Gewissensentscheidungen ins Gespräch zu kommen.
Mehr Informationen

RUB Bochum 2. und 23. Juni 2022 (online)

Die juristische Fakultät der Ruhruniversität Bochum lädt im Sommersemster ein zu:
Triage - intersdisziplinärer Austausch
zu Fragen ärztlicher Entscheidungskonflikten.

 

Mit seinem Beschluss vom 16. Dezember 2021 hat das Bundesverfassungsgericht dem Gesetzgeber auferlegt, unverzüglich geeignete Vorkehrungen zu treffen, um im Fall einer Triage jede Benachteiligung wegen einer Behinderung hinreichend

 

wirksam zu verhindern. Dabei ist mit Triage eine Situation gemeint, in der intensiv -medizinische Ressourcen nicht für alle Behandlungsbedürftigen ausreichen, so-dass über deren Verteilung entschieden werden muss. Nach Ansicht des Gerichts

können die bisher bestehenden fachlichen Empfehlungen der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) das Risiko einer Diskriminierung durch ärztliches und pflegendes Gesundheitspersonal nicht ausschlie-

ßen. Damit hat es eine Handlungspflicht des Gesetzgebers aus dem Verbot der Benachteiligung wegen einer Behinderung nach Art. 3 Abs. 3 Satz 2 Grundgesetz abgeleitet.

In der Fachwelt hat die Entscheidung eine lebhafte Debatte ausgelöst. Einerseits wird der Beschluss gerade von Fachverbänden als wirksames Instrument zur Vermeidung von Benachteiligungen begrüßt. Demgegenüber werden aus Fachkreisen deutliche Zweifel gerade an der Tauglichkeit des vom Bundesverfassungsgericht als zulässig erachteten Kriteriums der klinischen Erfolgsaussichten geäußert. Über alle anstehenden Fragen wollen wir in zwei Online-Veranstaltungen mit Vertretern verschiedener Disziplinen ins Gespräch kommen und laden Sie zur Teilnahme herzlich ein. Mehr Infos

 

 

Links zu ethischen Themen

​​(s. auch unter Materialien):
 

Image by Rémi Walle